Ein Hoch auf “meinen” Busfahrer. Er hat es immerhin jetzt in einen meiner Blogeinträge geschafft.
Das gehört gefeiert. Nicht. Faszinierend. 3 Monate und einen Tag habe ich mit seiner Hackfresse,
mit seinem netten Antlitz rumschlagen müssen. Jeden Tag hatte er einen anderen blöden bis
beleidigenden Spruch drauf. Wegen ihm stauten sich so manche Frustrationsmomente an.
Ich ließ sie jedoch nicht raus. Weil ich ja noch mitgenommen werden wollte und mir sowas nicht
unbedingt bei meinem morgentlichen zum Praktikums fahre – Weg, günstig gekommen wäre.
Es wären immerhin 3 km die ich laufen müsste jeden morgen. Ehm Nein, Danke!

Doch heute kam der Tag der Abrechnung. Wenn ich Sido oder Fler wäre, wäre das jetzt ziemlich
kool gekommen. Bin ich aber nicht. Wayne. Wie schon gesagt, heute war der Tag, der mich das
erstemal mit einem Grinsen im Gesicht glücklich aus einem Bus seinem Buss ausstiegen ließ.

Er kam an. 9:43 Uhr wie jeden morgen. Fahrschein schon in der Hand und Rückgeld auch,
schaute er mich wieder mit einem seiner Lieblingsblicke an. Wenn der so auf seiner Frau
(geschweige er besitzt eine) liegen würde, kurz vor einer Ekstase, ich würde mich an Stelle
seiner Frau wenigstens in diesem Moment kurz umdrehen, um dem Elend nicht ins Gesicht
zu blicken. ” Hier. Kannst dich ja heute mal woanders hinsetzen, sonst hab ich dich wieder
die ganze Zeit im Blickfeld.” – Hey, heute auf seinem letzten Tag mit mir (was er zu dem
Zeitpunkt noch nicht wusste), hatte er echt mal einen netten Spruch auf Lager. Vielleicht
ändert er sich in seinem Leben ja nochmal. Noch ist kein Hopfen und Malz verloren. Auf
jedenfall setzte ich mich jedoch wie immer hin und grinste ihm fröhlich ins Gesicht. Was
ihm nicht in den Schuh passte. Man merkte es, seine Adern fingen an zu pulsieren. Das
taten sie oft, ich schaute ihn oft die ganze Busfahrt an und zählte neben seinen Falten auch
das auftreten der pulsierenden Adern. Man Ich hatte ja sonst nie was zu tun im Bus.

Als ich dann also heute aus dem Bus ausstieg, legte ich ihm meine Fahrkarte hin und sagte
ihm mit freundlicher Stimme : ” Sie können ab nun wieder beruhigt durch die Gegend fahren
und alte Frauen nicht einsteigen lassen. Ihre pulsierenden Adern können nun wieder ruhig
schlagen und ihr Gesicht wieder entspannen. Sie sind mich los. Ich fahr nicht mehr jeden
morgen mit ihrem Bus. PS : Bissl freundlicher gucken hilft zum Beispiel gegen die Falten
in ihrem Gesicht. Schönen Tag noch.” – Mit diesem Satz und ohne auf Antwort von seiner Seite
zu warten, ging ich grinsend aus dem Bus.

Was für ein schöner letzter Praktikumstag!